Porträt
Susis Hauptbeschäftigung lag auf See, wo sie als Kapitänsfrau überallhin mitgesegelt ist, außer zum Südpol – und mit Abstechern als Funkerin, bevor sie die Wellen gegen ein Klassenzimmer als Lehrerin und Ideengeschichtlerin auf Lyø eintauschte.
Jeden Sommer nehmen Besucher aus allen Ecken der Welt die Fähre zu Susis blühendem Küchenmuseum, um Geschichten zu hören – über Hexen und schlechtes Gewissen, Schrumpfköpfe und ein Einhornhorn, das ein Zahnarzt mit Hilfe des goldenen Eherings ihres verstorbenen Mannes repariert hat. Susis Gäste werden zweifellos auch von ihrer ausdrucksstarken, selbstgestrickten Kleidung beeindruckt sein.
„Das Inselleben ist nicht romantisch. Es ist praktisch, gesellig und anspruchsvoll. Man lernt schnell, wem man vertrauen kann, was repariert werden kann und was man einfach akzeptieren muss. ”Es ist Vorfrühling, und der Baum in Susis Garten treibt samtige Blätter aus. „Je älter ich werde, desto mehr fühle ich mich wie ein alter Baum“. Populus × canescens, besser bekannt als Graupappel, blüht weiss in den Jahren, in denen sie sich dazu entschließt, und erfüllt den Garten mit Susis Lieblingsgeräusch.
Kulturgeschichte
Name: Susi
Insel: Lyø
Die Lügengeschichten
Lügengeschichten werden auch als Seemannsgarn bezeichnet, was besonders gut zu Susi passt. Ihr Lügengeschichten Museum ist voller Dinge, die ihr Mann Viggo von seinen Segeltörns auf den Weltmeeren mit nach Hause brachte. Sie gründeten das Museum gemeinsam, und Susi hat es nach Viggos Tod weitergeführt. Das Besondere an Seemannsgarn ist, dass es mit einem Augenzwinkern und zweifelhaftem Wahrheitsgehalt erzählt wird.
Eine gute Geschichtenerzählerin wie Susi war schon immer sehr gefragt. Denn wenn die Erzählung mitreißend ist, denkt man weniger über die eintönige Arbeit nach, die man gerade verrichtet – sei es nun das Rupfen von Gänsen, das Spinnen von Wolle oder das Flicken von Kleidung.
Heute nutzt Susi die guten Geschichten auch, um konservative Einstellungen aufzurütteln und politische Satire zu betreiben. Wenn man seine eigenen Schrumpfköpfe herstellt, ist man nicht vom Aussehen der Feinde fremder Stämme abhängig, sondern kann selbst wählen, wem der Kopf ähneln soll!
Gegenstände
Seefernrohr
Für einen Kapitän war es wichtig, weit über das Meer hinausblicken zu können. Heute hat das Fernglas ein Rohr für jedes Auge, aber ursprünglich bestand es nur aus einem einzigen Rohr, das das Bild sogar auf den Kopf stellte. Dieses Seefernrohr stammt aus dem Jahr 1867 und war ein Geschenk an Kapitän Niels Hansen Mogensen aus Faaborg als Dank dafür, dass er 5 schwedische Fischer in Seenot gerettet hatte.
Kokosnussschale
Die Kokosnussschale hatte Poul „Chinafarer“ vermutlich mit nach Hause gebracht, als er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf einem der Schiffe der Asiatischen Kompanie segelte. Später wurde er ein großer Kaufmann in Faaborg. Es heißt, die Löcher in der halben Kokosnuss seien darauf zurückzuführen, dass sie als Schrittpolster verwendet wurde. Aber vielleicht ist das auch nur Seemannsgarn.
Holzglocke (Leihgabe des Lyø Skrønemuseums)
Die Holzglocke haben Susi und Viggo von einer Segelreise zur Inselgruppe Tonga mitgebracht, deren Bevölkerung verschiedene Glaubensrichtungen pflegte. Das löste einen regelrechten Wettstreit um den lautesten Klang aus, wenn die Gemeinden zusammengerufen werden sollten. Die Begeisterung war daher groß, als ein zu Besuch gekommener Maschinist auf die Idee kam, eine Gasflasche in der Mitte durchzuschneiden und die beiden Teile gegeneinander zu schlagen!