Porträt
Flemming strandete vor vier Jahrzehnten in Korshavn, nicht ganz nach Plan. Er hatte nach einem kleinen Ort auf Südfünen gesucht, fand einen etwas größeren Ort auf Avernakø mit mehr Land und mehr zu tun und hatte keinen Grund zu reisen. Karotten, Getreide, Zwiebeln und schließlich Äpfel beschäftigten ihn viele Jahre lang.
Er ist kürzlich zum Ph.D. geworden (was, wie er sagt, für Pensionär den ganzen Tag steht). Als 88-Jähriger hat sich sein Fokus auf den Garten verlagert, wo er Bäume mehr oder weniger exotischer Herkunft pflanzt: libanesische Zedern, Sequoias und Araukarien, die alle dazu bestimmt sind, ihn um Jahrhunderte zu überleben. Am Morgen, wenn das Wasser eisfrei ist, geht er schwimmen und kehrt anschließend zum Yoga zurück, das er als notwendige Pflege des Körpers betrachtet.
Er hatte zuvor andere Leben: Maurer, Architekt, Opernsänger. In seiner Jugend weigerte er sich, seinen Wehrdienst abzuleisten, getrieben von einer Überzeugung, die er seitdem mit sich trägt: dass die Trennung zwischen den Wesen eine Illusion ist. Für Flemming bietet Korshavn die besten Voraussetzungen für Kontemplation, das heisst etwas zu erleben, das außerhalb der Reichweite der fünf Sinne liegt.
Kulturgeschichte
Name: Flemming
Insel: Korshavn, Avernakø
Die äußerste Insel
Flemming wohnt an der äußersten Spitze von Korshavn. Sowohl Korshavn als auch Avernakø werden heute oft gemeinsam als Avernakø bezeichnet, doch in Wirklichkeit sind es zwei getrennte Inseln. Sie liegen jedoch so nah beieinander, dass der natürliche Durchgang zwischen ihnen einst genutzt wurde, um von der einen Insel zur anderen zu gelangen. Dies setzte jedoch voraus, dass man die Gegebenheiten kannte und die Gezeiten im Griff hatte. Bei schlechtem Wetter konnte es lebensgefährlich sein, den Durchgang zu überqueren, und es war eine deutliche Verbesserung, als im Jahr 1937 der Damm angelegt wurde.
In seiner langen Tätigkeit als Bio-Landwirt war Flemming, wie andere Inselbewohner auch, darauf angewiesen, seine Waren mit der Fähre zu transportieren. Sowohl Zwiebeln als auch Äpfel werden zunächst über den Damm und dann weiter zur Fähre transportiert, um auf dem Festland verkauft zu werden. Heute betreibt Flemming einen kleinen Verkauf von Honig und Apfelmost direkt an der Einfahrt zum Hof.
Gegenstände
Aquarell eines Apfelzweigs
gemalt von Ellen Krogh (1902–1986)
Flemmings Apfelplantage profitiert von den milden Wintern und den vielen Sonnenstunden auf der Insel. Fünen und die Inseln werden dank des fruchtbaren Bodens und des günstigen Klimas oft als „Garten Dänemarks“ bezeichnet.