ANNE

Porträt

Um ihre Höhenlust zu stillen, während sie den ‚perfekten Zug‘ übt, klettert Anne zweimal pro Woche auf den Kirchturm von Avernakø. Ihre Mitinsulaner richten ihren Tagesablauf nach den Glockenschlägen bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang aus. Anne ist der Meinung, dass die Geografie der Inseln auch ihre Kultur prägt, und dass die schmale Schmetterlingsform von Avernakø mit nur einer Hauptstraße eine angenehm flüchtige, häufige und intime Form des Zusammenlebens schafft.

Sie sitzt in mehreren verschiedenen Vorständen, wo sie sich für die besten Fährverbindungen, die Inselentwicklung, den Katastrophenschutz und die Förderung des ländlichen Raums einsetzt. Außerdem untersucht sie das Wahlverhalten auf dänischen Inseln, koordiniert ein Musikfestival, betreibt eine Brauerei und ist zudem eine begabte Bäckerin. Das Bier wird aus seltenem, altem Avernakø-Hopfen sowie Himbeeren, Feigen, Sanddorn, und was die Saison sonst noch hergibt, gebraut. Zu Pfingsten versammeln sich die Inselbewohner, um den Maibaum aufzustellen, eine anspruchsvolle Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Anne bat darum, am „geheimen Strand“ der Insel porträtiert zu werden, an dem sie vor dem Tag der Aufnahme noch nie gewesen war.

Kulturgeschichte

Name: Anne
Insel: Avernakø

Bierbrauen

Früher war ein Hopfengarten oft Teil der Selbstversorgung der Höfe, da man selbst Bier braute. Die Gärten waren leicht an den 4–5 m hohen Stangen zu erkennen, an denen der Hopfen emporwuchs. Zu Johannistag hatten sie die Spitze erreicht, und um den 1. Oktober waren die reifen Hopfenblüten bereit für die Ernte. In der Stadt Avernakø gab es einen gemeinsamen Hopfengarten. Die Pflanzen sind inzwischen zu Wildhopfen geworden, der immer noch geerntet werden kann. So können Anne und ihr Mann Gustav das Bier mit der alten Avernakø-Sorte brauen.

Bier war ein fester Bestandteil des Alltags in der alten Bauerngesellschaft. Der Ausdruck ‚als Dünnbier mitlaufen‘ stammt von den verschiedenen Abfüllungen des Brauvorgangs. Die ersten Abfüllungen ergaben das starke Bier, das zu festlichen Anlässen getrunken wurde, und die letzten Abfüllungen waren das dünne Alltagsbier. Man trank niemals Wasser, da die Brunnen der Höfe oft durch Sickerwasser aus dem Misthaufen verunreinigt waren. Das Bier hingegen war gut zu trinken, zum einen, weil es beim Brauen gekocht wurde, zum anderen, weil der Hopfen eine desinfizierende Wirkung hatte.

Gegenstände

Bierkrug

Ein Bierkrug war ein Trinkgefäß, das in den Pausen während der Erntearbeit verwendet wurde. Alle tranken aus demselben Krug. Zu Hause auf dem Hof stand ein großer gemeinsamer Bierkrug auf dem Tisch im Wohnzimmer, für dessen ständige Füllung das Dienstmädchen sorgte.

Maischegabel

Die Maischegabel diente als Sieb, wenn das Malz gewässert werden sollte. Auf die Maischegabel legte man zuerst Stroh und dann das Malz, das mit kochendem Wasser gewässert wurde. Beim Abfüllen aus dem Maischebottich wurde die Flüssigkeit, die ‚Bierwürze‘ genannt wurde, durch das Stroh gefiltert und konnte nun zusammen mit dem Hopfen gekocht werden.