Annette

Porträt

12 Jahre lang machte Annette politisches Theater mit der Kopenhagener Theatergruppe Vester 60 und war an der Entstehung von Stücken über den sozialen Kampf in besetzten Häusern beteiligt. Sie spielte Theater, spielte Fiedel, unterrichtete am Blindeninstitut sowie an der muslimischen Schule und arbeitete mit dem Haus der jungen Grönländer an Projekten, die in der grönländischen Gesellschaft großen Anklang fanden.

Dann änderte eines Tages eine Fiedel alles. Auf einem Volksmusik-Sommercamp auf Avernakø brauchte Annette eine Pause von den vielen Stunden Fiedelspiel und begann stattdessen, tagsüber Landschaften zu malen – und voilà, bei dieser Gelegenheit lernte sie ihren Mann kennen und wurde Inselbewohnerin.

Annette gibt offen zu, dass sie sich weit entfernt vom Aktivismus fühlt: „In Kopenhagen haben wir demonstriert, uns organisiert, etwas getan.“ Auf Avernakø ist das etwas begrenzter. Das stört sie, besonders wenn sie sich dabei ertappt, dem Alter die Schuld zu geben. Manchmal schaltet man ab, um zu überleben. Hier draußen leben sie und ihr Mann PerSille genauso, wie sie es selbst wollen. Das ist eine andere Form von Freiheit.

Mit 83 Jahren ist sie nun Dänemarks älteste Postbotin, „ein Höhepunkt meiner Karriere“. Annette ist stolz darauf, Post nach Lyø und Avernakø zu bringen, und sortiert sie auf der Fähre. Wenn der Sommer kommt, füllt sich ihr Garten mit alten Freunden zu einem Volksmusikcamp.

Kulturgeschichte

Name: Annette
Insel: Avernakø

Volksmusiker

In Annettes Haus hängen sieben Fiedeln. Die Volksmusik, die Annette selbst pflegt, hat die Fiedel als zentrales Instrument. Früher waren die Volksmusiker für ein gutes Fest unverzichtbar. Sie sorgten für die Tanzmusik und wurden daher vielerorts auf dem Land hoch geschätzt. So war beispielsweise Ole Christian Rasmussen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod im Jahr 1914 Volksmusiker auf Avernakø und in Korshavn, und ohne ihn fand kein Fest statt.

In der bäuerlichen Gemeinschaft wurden sowohl der Jahres- als auch der Lebenszyklus mit Festen begangen, bei denen der Tanz ein selbstverständlicher Bestandteil war. Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts erhielten die Tänze die Sammelbezeichnung Volkstanz, und 1901 wurde der Verein zur Förderung des Volkstanzes gegründet. Der Verein veröffentlichte unter anderem eine Sammlung alter Tänze aus Avernakø und Korshavn und hatte zu diesem Zweck gerade Ole Christian Rasmussen gebeten, alle Tänze und Melodien aufzuschreiben, an die er sich erinnern konnte.

Gegenstände

Notenheft

Niels Hyttebalde war sowohl Weber als auch Volksmusiker im Dorf Ulbølle, das zwischen Faaborg und Svendborg liegt. Viele Melodien und Tänze waren von Region zu Region verbreitet, wie z. B. Rund Sekstur und Gammel Mazurka. Andere bezogen sich auf bestimmte Orte, wie Den Berlinske – und Den Ommelske aus dem Dorf Ommel auf Ærø.

Fiedel

Diese Fiedel gehörte Mads Hansen vom „Sterregården“ Hof im Dorf Hundstrup. Ein Zettel im Kasten zeigt, dass sie 1850 in Odense repariert wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Mads erst 16 Jahre alt.

Bild (Porträt von Mads Hansen)

Mads Hansen spielte Fiedel, wurde jedoch vor allem Dichter und ist der Verfasser von „Jeg ved, hvor der findes en have så skøn“ – ein klassisches dänisches Lied, das ein idyllisches und romantisches Bild von Dänemark zeichnet. Er gründete unter anderem 1868 eine Volkshochschule im nahegelegenen Dorf Vester Skerninge.