John

Porträt

John ließ sich nach drei Jahrzehnten als Metzger und einer Tätigkeit im Hafenbau wieder auf seiner Heimatinsel Lyø nieder. Neben verletzten Schultern verschaffte ihm die Arbeit eine Rente und Kenntnisse darüber, wie man schweißt und Fundamente gießt.

Er misst die Zeit nun in Jagdsaisons: Gänse im August, Enten im September, Rehe im Oktober. Zusammen mit dem Spaniel Emil steht er jeden Morgen um fünf Uhr auf, um frische Spuren auf den Feldern von Lyø zu suchen. Das Nachmittagsmeeting im Schuppen gegenüber dem Kaufmannsladen ist ein tägliches Ritual, bei dem alles erfasst wird, was sich durch die Landschaft bewegt hat. Jedes Jahr gibt es mehr und mehr Gänse. Einige der Neuankömmlinge fliegen zur großen Freude der Fernglasbeobachter ein; andere sieht man nie wieder.

John hat bisher 97 Rehe erlegt, und jedes einzelne Rehgeweih wurde im Jagdzimmer aufgehängt, bis an den Wänden kein Platz mehr war. Sein letztes Reh erzielte 142 Punkte, was Medaillen-Niveau ist, und es wartet nun auf die Bewertung, um in die Top Ten des Dänischen Jagdverbandes aufgenommen zu werden. „Für mich geht es bei der Jagd mehr um Bestandsregulierung als um ein Freizeitvergnügen, das Routinen, Einschränkungen und lokalen Vereinbarungen unterliegt“, sagt er. John weiß, wo die Kuhreiher landen, wo sich die Eulen in der Februardunkelheit finden und in welchen Mooren sich die Kiebietze verstecken.

Kulturgeschichte

Name: John
Insel: Lyø

Jagd

Im Mittelalter hatte Lyø einen eigenen Wildpark mit Hirschen, der dem König vorbehalten war. In Valdemar Sejrs Erdbuch aus dem Jahr 1231 ist verzeichnet, dass Kronhirsche, Damhirsche und Rehe gejagt werden durften. Im Jahr 1693 übernahm das Gut „Holstenshuus“ ganz Lyø und damit auch das Jagdrecht. Als die Bauern später das Eigentumsrecht an ihrem Land und ihren Besitztümern erhielten, ging das Jagdrecht mit über. Im Jahr 1932 gründeten sie den Lyø Jagdverein und organisierten gemeinsame Jagden. Die gesamte Ausbeute an Hasen, Fasanen und Schnepfen floss am Abend in ein Wildspiel in der Gaststätte ein, eine Art Bingo, bei dem das halbe Schwein durch Wild ersetzt wurde. Heute ist der Jagdverein aufgelöst, und man geht eher alleine auf die Jagd.

Als John 16 Jahre alt war, erhielt er den Jagdschein. Er erzählt, dass es damals für die Jugendlichen auf der Insel genauso selbstverständlich war, den Jagdschein zu machen, wie den Führerschein.

Gegenstände

Wanderpokal des Lyø-Schützenvereins

Bevor sie den Jagdverein auf Lyø gründeten, hatten die Inselbewohner einen Schützenverein, in dem sie sich trafen, um das Schießen als Sport auszuüben. Hier ist der Wanderpokal des Schützenvereins aus dem Jahr 1911 zu sehen, gewonnen von Kristian Emil Rasmussen. Auch wenn der Schützenverein kein Jagdverein war, ist es bemerkenswert, dass das Motiv auf dem Teller die Jagdgöttin Diana darstellt.

Jagdpatronen

Früher stellten die Inselbewohner oft selbst Patronen für ihre Schrotflinten her. Hier sind Werkzeuge zur Herstellung von Patronen mit rauchfreiem Jagdpulver, Zündhütchen, Bleikugeln, Kartonscheiben und Patronenhülsen zu sehen – sowie Werkzeuge, um alles zusammenzusetzen.